Highclass-Schund. Wo geht die Gaming-Kultur hin?

Screenshot: Watch Dogs (Ubisoft, PS3/Xbox360)
Videospiele sind schon längst in der gesellschaftlichen Mainstream-Kultur angekommen. Die wichtigste Gaming-Messe für die USA ist immer noch die E3 (Electronic Entertainment Expo) in Los Angeles. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden oft richtungsweisende Titel für Heimkonsolen vorgestellt.

In diesem Jahr wird eindeutig klar gestellt, dass Spiele immer besser aussehen, und sich immer filmischer verkaufen. Was das Spiel Uncharted von Sony einst los getreten hat, scheint nun zum guten Ton der Branche zu gehören. Vor allem Story getriebene Spiele orientieren sich immer mehr am großen Vorbild Hollywood. So werden Schund-Handlungen mit riesen Budgets aufgeblasen und sorgen vor allem für ein wuchtiges Erlebnis. Wo Indie-Games vermehrt auf Geschick und Fingerfertigkeiten setzen, setzt der Mainstream der Gaming-Industrie auf gigantische Grafik und atemberaubende Inszenierung. Die Storys bleiben da im weitesten Sinne schrottig, wie eben im massentauglichen Kino üblich.

Allerdings können kommende Spiele durchaus mit spannenden Spiel-Mechaniken und aber gerade durch ihre Aufmachung beeindrucken. Die neuste Marke auf dem Markt hört auf den namen Watch Dogs und kommt von Ubisoft. Das Spiel ist ein weiterer Sandkasten-Ableger mit einer vermeintlich offenen Welt. Das Herzstück scheint die Manipulation von Technik und Kommunikations-Medien zu sein, ganz im Geiste des Kino-Gassenfegers Die Hard 4.0. Sowieso borgt sich die Spieleindustrie gerne ihre Ideen und mittlerweile auch ihre Charaktere von der großen Leinwand. Im neuen Spiel von Quantic Dreams, den Machern des bahnbrechenden Abenteuer-Film-Spiels Heavy Rain spielt sogar die bekannte Schauspielerin Ellen Page die Hauptrolle. Das Spiel selbst hört auf den Namen Beyond: Two Souls und könnte mit seiner fast schon albern wirkenden Rahmenhandlung direkt aus den ausgenudelten Hirnwindungen von Stephen King stammen. Kurz zusammengefasst geht es nämlich um ein Mädchen, das zwischen zwei Welten, dem Diesseits und dem Jenseits eben, schwankt und Dinge gegen Wände fliegen lassen kann, mit bloßer Willenskraft. Das dritte Film-Spiel ist das neue von einer Altbekannten. Lara Croft kommt als waschechte Überlebenskünstlerin in einer Welt á la The Hills Have Eyes oder einfach Lost daher. Das neue Tomb Raider beeindruckt durch fiese Brutalität, sinistere Tristesse und einer durchweg kreischenden, grunzenden und stöhnenden Protagonistin.

Insgesamt sieht es so aus als könnte die Videospiel-Industrie mit der Interaktivität ihres Mediums den vermeintlich letzten Mist an Geschichten erzählen, solange es bombastisch und mitreisend inszeniert ist, ganz genau wie im Kino. Also für mich funktioniert das. Ich bin schon mal gekauft. Wie das erklärte in bewegten Bildern aussieht zeigen die drei Video-Clips nach dem Knick.

Watch Dogs (Ubisoft)



Beyond: Two Souls (Sony)



Tomb Raider (SquareEnix)

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