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Es werden Posts vom April, 2013 angezeigt.

Diese verdammten Säuger. Bloody Mammals mit "Eventually Your House Will Burn Down".

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Wenn es lupenreinen Post-Hardcore gibt, dann beschreibt es den Sound den Bloody Mammals aus London gediegen fahren. Deren neue EP "Eventually Your House Will Burn Down" sollte vor allem Menschen gefallen, die immer schon gerne Finch oder Reuben gehört haben.

Mit sechs verdammt eingängigen und angenehm aggressiven Songs spielen sie Riffs und verbreaken diese mit Schlagwerk und allem gekonnt, wie man es seit Ende der Neunziger, Anfang der Zweitausender liebt. Gewiss bringen sie einiges Wissen aus der alten Schule von Fugazi und Co mit, bedienen sich aber hauptsächlich an der härteren Kante des Genres. An der EP gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Die Stimme des Frontmanns wirkt im Vergleich zu anderen aktuellen Bands unverbraucht. Und kommt ungeschönt aus dem Hals gewetzt. Einer der schönsten Songs auf der insgesamt 16 Minütigen EP ist der vierte im Bunde. "Madam" ist wunderbar eingängig und packt in nicht einmal  2:30 Minuten eine ganze Menge Spaß. Der hauptsäch…

Für immer die Allerliebsten. Your All Time Favourites mit neuer Platte namens "Developing From The Negatives". Werden sie ihrem Bandnamen gerecht?

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Die Schweizer aus der Metropole Hasle-Rüegsau tanzen auf der dünnen Linie, die Pop-Punk von Emo-Punk trennt, und geraden dabei nie aus der Balance. Bei Your All Time Favourites schwingt Selbstmitleid in Ironie um, und persönliche Geschichten werden ins Lustige gezogen. Und so richtig ernst nehmen sich die vier Herren Marlon, Dominique, Tobias und Torfinn nie vollends.

"Suck at everything, there's nothing I'd have tried, but 'ey what can I say?!"

Dabei tanzen sie mit ihrer Mehrstimmigkeit ganz oben im Emo-Punk der frühen 2000er mit, und hey das gar nicht mal so schlecht. Wer Genre-Schubladen nicht so gerne mag, und sowieso keinen Unterschied zwischen Pop-Punk und Emo-Pop findet, der mag ja auch irgendwo recht haben. Einfacher fällt es wenn wir den Sound in Referenzen übersetzen. Beim Hören von "Developing From The Negatives" zieht man instinktiv Parallelen zu New Found Glory auf der Pop-Punk-Seite, zu Fire In  The Attic oder gar manchmal Silverstein auf …

Urban Cricling. Mysteriöses, neues Phänomen des Stuttgarter Nachtlebens.

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"Ist das der Künstler aus Berlin?" - "Nee, welcher Künstler?" - "Bin gerade erst dazu gekommen, wir stehen hier jetzt irgendwie im Kreis und die Stimmung ist wunderbar!" berichteten beteiligte eines sogenannten Urban Circling-Menschenkreisesin Stuttgart. Das neue Phänomen auf den Amüsiermeilen der Stadt zieht Wort-wörtlich seine Kreise.

Was hat es damit auf sich?

Menschen versammeln sich spontan in einem Kreis und applaudieren und feiern sich selbst, oder irgendjemand anderen oder sonst etwas. Diese Kreise entstehen seit kurzer Zeit des öfteren im Stuttgarter Nachtleben. Es handelt sich offensichtlich um so etwas wie spontane Flashmobs. Es ist allerdings kein Organisator dahinter zu entdecken. Der Kreis, einer Urban-Circling-Aktion führt allem Anschein nach ein Eigenleben. Da niemand vor Ort beschreiben konnte, was sie dort machten, bei keinem dieser Kreise - bisher. Der Urban-Circling-Kreis in dem Video oben wurde vor der Szene-Kneipe Mata Hari in Stuttg…

Disembarked die neue Screamo-Hoffnung? 11 Minuten in Bedauern suhlen mit "I Do Nothing But Regret The Fact That I Left".

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Mit "I Do Nothing But Regret The Fact That I Left" leben die fünf Schweden ihre vermeintliche Teenage-Angst beeindruckend melodisch aus. Disembarked machen dabei Screamo, irgendwo zwischen Underoath und Versus The Mirror. Kantige Breaks schieben sich dabei ohne Double-Bass-Klischee zwischen diese sogenannt sphärischen Post-Rock-Gitarren-Teppiche. Die EP mit den fünf Titeln läuft zwar nur knappe 11 Minuten, reißt dabei aber schon einige Bäume raus. Musikalisch ist das nämlich sehr mitreißend dargeboten. Der Sänger hat darüberhinaus eine eigenwillige Art zu schreien - es hängt immer ein gewisses Nölen nach. Nölende Menschen nerven allerdings ja gerne mal. Das könnte hier auch gewiss ab und zu passieren. Eine Gratwanderung.

Die Platte spiegelt viel Verzweiflung, geht irgendwie unter die Haut und manchmal irgendwie auf die Nerven. Zur richtigen Zeit trifft sie dabei aber immer den richtigen Nerv, und man findet sich darin wieder, wie all der Weltschmerz nachvollziehbar erschein…

Atmosphärischer ging es fast nicht als am Freitag. Mit Intronaut, Devil Sold His Soul, The Atlas Moth und mehr in Stuttgarts JuHa-West.

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Vergangenen Freitag spielten technisch ultra begabte Bands im JuHa-West in Stuttgart. Mit Intronaut, Devil Sold His Soul, The Atlas Moth, Castle und Steak Number Eight wurden zwei Touren auf eine Show zusammen gelegt, die besser nicht hätten harmonieren können.

Opener waren Steak Number Eight, die etwas früh spielten, die jeder verpasste - oder zu mindest zu viele, auch ich, deshalb kann ich sie leider nicht beurteilen. Aber so fängt man auch keinen Bericht an. Heute ist das egal, denn was danach kam war großes Kino. Castle spielten zu dritt ultra dicken tiefer gelegten Wüsten-Hard-Rock, Schrägstrich Metal, der Staub aus jeder Pore pustete. Die eindringlich singende Bassistin mit ihrem Gitarristen und Drummer, der ab und an Double-Bass-Schübe so hintergründig und hinterlistig brachte, war ein wahrer Genuss. Auch für Genre-Fremde, war das an Coolness kaum zu überbieten. The Atlas Moth aus Chicago läuteten dann mal wieder den Weltuntergang ein. Mit ihrem finsteren Doom, oder Sludge-Met…

Sonntagsmusik: Zu laut für Los Angeles, ab nach München? Klar. Sagten sich The Fever. Das sind Coco und Teut.

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Sie sind gelangweilt aber halt sowas von roh. Der Musiker und die Musikerin mit dem Gaffa-Tape auf Brustnippeln. Teut und Coco. Zusammen sind sie The Fever, und klingen dabei wie im Fieberschlaf. Schleppende Beats, ungeschönte Gitarre und Cocos entspannt, herablassende Stimme. Musik für wenn es heiß ist. Musik zum ausziehen und damit in der Sonne dampfen. Oder eben auch nicht. Im Facebook-Kontakt beschrieb die Frontfrau ihre Band als zu laut für eine Nachbarschaft in LA, deshalb sei man nach Deutschland ausgewandert. Natürlich gleich in das so freigeistige München. Könnte man denken früher oder später landen die sowieso in Berlin. Sicherlich aber wären sie ganz nette Gesellschaft auf einer Gartenparty, beim BBQ-Grill und echt deutschen Würstchen. Also, stellt wer das Bier kalt? Es wird Sommer.

Im Video zum Sing "Chicka Boom" kann man den beiden beim halbnackt und gelangweilt Musizieren zugucken.

Außerdem kann die gesamte Demo der kleinen Lo-Fi-Rock-Band bei Soundcloud angeh…

Transatlantische Verbindung. The Static Age und Featuring Yourself zusammen auf einer Platte.

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Da haben sich zwei gefunden. The Static Age aus Chicago und Featuring Yourself aus Hamburg und Kiel. Über den Atlantik hinweg verbinden Post Punk und New-Wave-Revival die beiden Bands. Das heißt dann quasi verträumter Gesang und Hang zu sphärischen Melodien. Nun veröffentlichen beide Bands zusammen eine Split-Single. Als Vinyl mit jeweils einem brandneuen Titel. "Mistakes Worth Making" von The Static Age und "Ghosts" von Featuring Yourself. Beide Titel passen unglaublich gut zueinander. Da merkt man eben, dass sich hier zwei Gruppen von Menschen musikalisch ziemlich auf einer Wellenlänge befinden.

Richtig interessant wird die Split aber erst mit ihren Download-Titeln. Bei der Vinyl liegt nämlich ein Code für die zwei Titel plus zwei weitere Songs bei. Bei den Bonus-Tracks handelt es sich um gegenseitige Cover beider Outfits. So interpretieren The Static Age den Song "Abyss" von Featuring Yourself neu, und die deutschen Featuring Yourself liefern eine wah…

"You're never gonna own my fucking mind!" I Am Heresy manifestieren ihre Selbstständigkeit mit der EP: "O Day Star, Son Of Dawn".

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Wenn Nathan Gray im Song "Torch" "let the heavens explode" singt, glaube ich das ihm. Denn auch die kürzlich erschienene EP seiner neuen Truppe I Am Heresy wütet weiter in Glaubensfragen. Etwa ein Jahr nach dem Debüt-Album fordern die sechs Amerikaner deutlich die Emanzipation der Menschheit von fiktiven Göttern und Irrglauben. "Let the fairy tales die."

"O Day Star, Son Of Dawn" beinhaltet vier in sich unterschiedliche Songs, im Gesamtkontext allerdings ergeben sie allesamt Sinn. Sie verkörpern den revolutionären Gedanken eines erfundenen Symbolcharakters namens Luzifer. So würde es Frontmann Nathan Gray erklären. Diesen Antihelden schicken sie an um die Menschen wach zu rütteln. Nathan lässt all seiner Wut über Kirche und religiöser Verblendung in seinen Texten freien Lauf. Hinter jedem Song steckt mehr oder weniger ein anderer Kopf. Die Band vereint mit ihren drei unterschiedlich agierenden Gitarristen verschiedene Metal- und Hardcore-Stile …

Wohnzimmer-Musik. "Dacing Upon The Moon" von An Early Cascade im Wohnzimmer live eingespielt, und mit Video veredelt.

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Die Kornwestheimer An Early Cascade haben zusammen mit 619productions diese wunderbare Live-Session aufgezeichnet. Der Song stammt in seiner Originalfassung vom 2011er Album "Versus", welches bei Midsummer Records erschien. Den Sound hat Gitarist Daniel Strohhaecker live mitgeschnitten und später abgemischt. So handelt es sich hier um einen Musikvideo-Bastard mit quasi tatsächlicher Live-Musik. Schön.

Mehr zur Band: anearlycascade.de

Von Pärchenbeziehungen. Moose Blood mit "Boston // Orlando" Doppel-Single.

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Diese Engländer Moose Blood feiern wir hippen Kinder ja ganz gerne für ihren Emo-Revival. Den machen sie nämlich sehr gut und sehr authentisch. Mit "Boston // Orlando" bringen sie nun eine kleine 8"-Vinyl als Doppel-Single raus, die nichts besseres im Sinn hat, als sich betulich mit jener Problematik der Pärchenbeziehung auseinander zu setzen. Das machen sie musikalisch so ansprechend, dass man einfach gerne zuhört. "Boston" und "Orlando" sind beide sehr schöne kleine Emo-Pop-Punk-Songs, den man einfach nichts übel nehmen kann. Die Band macht da weiter, wo sie mit "Bukowski" und Co angefangen hat. Mit eingängigen, zum Mitsingen geschriebenen Liedern.

Anstatt weltliche Probleme behandeln sie halt ganz persönliche, egoistische Themen. Liebe und sowas  wurden sicherlich schon oft besungen. Moose Blood machen das nicht so platt wie der Großteil der Popwelt, die vier Briten verpacken das anders. So grübelnd, in schlichten Aktivitäten, die man w…

Wird Stuttgarts Fernsehturm tiefer gelegt? Wann wird es mal wieder richtig Sommer? Was steht an im April? Fragen über Fragen. Vielleicht gibt es hier Antworten.

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In Stuttgart ist gerade so einiges los. Der Fernsehturm, das Wahrzeichen schlecht hin ist geschlossen. Wegen anscheinend mangelndem Brandschutz. BER lässt grüßen. Der Bahnhof wird vielleicht doch nicht gebaut, und dann ist die größte Meldung - emotionaler Natur, dass heute am Sonntag die Sonne scheint. Zwar stelle ich mich noch nicht in irgend ein Gewässer, dafür reicht es noch nicht. Aber kann ja noch werden. Ohne jetzt unendlich viel zu labern möchte ich einen kleinen Überblick bieten, welcherorts ihr im April in Stuttgart beste Live-Musik erfahren werdet.

Am 19. April spielen Devil Sold His Soul mit Intronaut, The Atlas Moth und Castle im JuHa-West in Stuttgart. Geht man besser hin.

Am 20. April spielen Davidian mit Soul Sacrifice, An Act Of Grace und Credic im Cann in Stuttgart-Bad Cannstatt. Wer Metal mag kann sich das geben.

Vom 26. bis 28. April hausiert im LKA Longhorn in Stuttgart-Wangen das Pirate Satellite Festival 2013. Mit dabei sind großartige Bands wie Comeback Kid, Sh…

Vom unsichtbaren Himmel-Monster, Leben und der Musik. Ein Gespräch mit Nathan Gray von I Am Heresy und Boysetsfire.

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Samstagabend, vor der Show von I Am Heresy im Zwölfzehn in Stuttgart traf ich mich mit Nathan Gray im Tourbus von I Am Heresy, und wir sprachen eine halbe Stunde über das Leben, Gott und den Teufel als Symbolismen. Worüber sollte man sich zwischen zwei christlichen Feiertagen denn sonst unterhalten? Natürlich auch die Musik seiner zwei Bands I Am Heresy und Boysetsfire. Im Gespräch erfuhr ich, dass die Ideologie seiner neuen Truppe ein wichtiges Kriterium war, um die fünf Musiker zusammen zu bringen. Deshalb sprachen wir intensiv über seine spannende Weltanschauung und den tieferen Sinn der Songs auf der neuen EP "O Day Star, Son Of Dawn."