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Es werden Posts vom September, 2016 angezeigt.

Stuttgart ohne Wasen. Bad Cannstatt ohne Volksfest. Bier ohne schlechte Laune.

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Auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart wird zweimal im Jahr ein Jahrmarkt veranstaltet. Im Frühling das Stuttgarter Frühlingsfest, im Herbst das Cannstatter Volksfest. Jetzt ist in Bad Cannstatt, dem größten Stadtteil von Stuttgart, wieder Volksfest. Und ich mitten drin. Erstens wohne ich hier im Bezirk, zweitens arbeite ich hier für das Regionalfernsehen. Beides schlimm genug um den Mantel des Schweigens darüber legen zu wollen.
Och nö. Es ist Volksfest. Ich möchte jetzt hier auf keinen Fall gegen öffentliche Feiereien und Besäufnisse im großen Stil(los) anschreiben. Nein, alles hat seine Berechtigung, irgendwie spülen solche Feste bestimmt sogar Geld in die Kassen der Stadt und des Bezirks. Volksfestgänger sind halt aber Pöbel. Leider. Leute, die sich so wegschießen, dass sie nix mehr können. Den Bezirk vollkotzen, besoffen in jeder Ecke im eigenen Erbrochenen liegen. So was gehört halt jetzt zum Stadtbild. Es ist normal, und ist halt auch so. Und klar wird am Auftaktsonntag der Be…

Sea + Air. Immer auf Tour, Remix-EP und neues Video zu "Peace begins at home". Filmt die beiden, die wollen das so.

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Die beiden Quasi-Stuttgarter Eleni und Daniel (Sea + Air) sind mittlerweile aus der deutschen Popkultur eigentlich kaum noch wegzudenken. Wegdenken wollen wir uns die beiden auch gar nicht. Präsent sind sie glücklicherweise aktuell immer und immer noch auf unseren Bühnen. Die Tourtermine schreibe ich euch dazu gleich auf. Denn wenn ihr eine Kamera in die Hand nehmen könnt und das auch nur halbwegs im Griff habt, dann geht zu den Shows. Meldet euch aber doch vorher bei der Band auf Facebook. Die möchten nämlich gerne auf ihrer Tour von euch gefilmt werden.

Einen Film (wow, Überleitung) haben die Beiden kürzlich auch rausgebracht. Einen kurzen in Videoclipform mit Found Footage. Einer Atombombe. Zum wunderschönen Lied "Peace begins at home" aus ihrem aktuellen Album "Evropi". Zur Singleauskopplung von "Peace begins at home" haben Sea + Air außerdem noch eine kleine Remix-EP beigelegt. Auszüge daraus gibt's bei Soundcloud zu hören.


Programmkino in Stuttgart. Das Event Weird Wednesday 0711. Am 21. September mit Belladonna of Sadness einem japanischen Trickfilm von 1973.

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Mittlerweile zum zwanzigsten Mal findet das Kino-Event Weird Wednesday in Stuttgart statt. Das Konzept will die Lücke schließen, die es in dieser Stadt ohne richtiges Programmkino gibt. In der Regel werden hier Filme neben dem Mainstream gezeigt. Filme, die sonst nur einen kleinen Kino-Release bekommen, oder in Stuttgart gar nicht oder bisher noch nie gezeigt wurden.

The Deadnotes. Tour Tour Tour Tour Tour, Deutschland, Europa, Großbritannien. Debütalbum. "I'll Kiss All Fears Out Of Your Face".

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Oh Mann, wir sind doch nur einmal jung und so. Lass uns doch mal das meiste draus machen. Auch wenn es nicht das beste ist. Irgend so etwas mussten sich die drei Typen, die sich zusammen The Deadnotes nennen, eines Nachmittags in Freiburg sitzend gesagt haben. So haben sie ihre Musik gemacht. Und als die etwas taugte haben sie sich auf den Weg gemacht. Zu touren. UK, Deutschland, you name it. Die Herrschaften haben in allerbester Do It Your Fucking Self Manier einfach mal versucht ihre Musik unter die Leute zu bringen.

Karies. Noise Rock, Post Punk. Stuttgart. Wiederholung. "Es geht sich aus" das neue Album der Nerven-Freunde.

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Es ist immer dumm für eine Band, oder zumindest hört das eine Band nie gerne. Dieses: Das sind die, die was mit der anderen Band aus der selben Ecke zu tun haben. So sind Karies jetzt nun halt diese Band, die irgendwie was mit den Nerven zu tun hat. Das liegt ein bisschen daran, dass das Arte-Magazin "Tracks" im Fernsehen die Stuttgarter Szene fast explizit auf die Milberg-Studios in Heslach begrenzt hat. Da wurden eben neben die Nerven auch Karies genannt. Tiefer in die Stadt wurde nicht geblickt.

[un]erwartet. Die Kunst des Zufalls. Eine Sonderausstellung im Kunstmuseum am Schlossplatz in Stuttgart widmet sich der, sagen wir mal: Macht des Zufalls.

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Ist das eigentlich noch Kunst wenn der Zufall der maßgebliche Autor war? Der Pressetext des Kunstmuseums will mich da überzeugen.

"Der Zufall entzieht sich jeder Festlegung – und doch nutzt die Kunst den kalkulierten Zufall als gestaltende Kraft. In den vergangenen hundert Jahren haben Künstlerinnen und Künstler Methoden und Verfahren entwickelt, um Zufallsprozesse unter definierten Bedingungen auszulösen. Anhand von rund 120 Werken zeigt die Sonderausstellung, wie experimentell und systematisch Künstlerinnen und Künstler mit dem Zufall umgegangen sind. Hans Arp und die Surrealisten waren die ersten, die um 1920 das schöpferische Potenzial des Zufalls erkannten. Max Ernst provozierte mit seinen Frottagen das Unvorhersehbare. Dafür legte er etwa Blätter oder Holz unter Zeichenpapier und rieb sie mit Bleistift durch. Die so entstandenen Strukturen ergänzte er zu fantastischen Bildern. In den 1960er-Jahren hielt der Zufall Einzug in die Konkrete Kunst. Rune Mields und Vera Molnár…

"Nocturnal Rapture" das Debütalbum der Stuttgarter Eau Rouge. Synth-Pop-Rock-Schmacht?

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Eau Rouge sind drei Typen, die manchmal wirken wie auf einer Mission: Den Tagträumereien den Rücken zu kehren und zu Machen. Wie einfach mal zum SXSW in Texas fliegen, Shows in den USA spielen und einen US-Management-Deal einzusacken. Alles noch mit nur einer EP in der Tasche, und vergleichbar wenig Asche. Doch es läuft. Was bei Tag nach Aufbruch riecht verwandeln die drei, Jonas, Bo und Magnus nachts in ihre träumerisch sphärische Musik, zwischen Dreampop, Indie-Noise, Wave und Shoe-gazigem Alternative-Rock.

Die zwölf Titel auf ihrem Debüt-Album "Nocturnal Rapture" verbinden allesamt diesen eigenständigen, durch Rythmus und Synth getragenen Pop-Rock-Sound, mit dieser rauchig gehauchten Stimme garniert. Neben all den eingängigen Melodien und Pop-Allüren steckt in dem Werk allerdings auch noch genug Tiefe, dass mehrmaliges Hören die Eindrücke erst ansatzweise aufzuschlüsseln scheint.

Der Club Zollamt ist tot. Lang lebe die Kulturinsel. Eine schlechte Nachricht wird nicht immer von einer Guten gefolgt. Hier die Ausnahme.

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Als wir hörten, dass der Club Zollamt in Stuttgart Bad Cannstatt dicht machen muss, waren wir logischerweise überhaupt nicht happy. Nachbaren hatten sich andauernd über Lärmbelästigung bei der Stadt beschwert. Diese knickte nun ein, und verbat den Clubbetrieb auf dem alten Güterbahnhof-Gelände. Ringsum ist zwar eigentlich nur Industrie-Brache und die Baustelle für das geplante neue Neckar-Park-Wohnviertel. Allerdings, aber waren es die Anwohner auf dem Weg zwischen Cannstatter Bahnhof und Club, die sich beschwerten, berichtete mir Betreiber Joachim Petzold, als ich dort kürzlich für einen Termin vor Ort war.

Da ist auch nichts mehr daran zu rütteln. Der Club Zollamt mit seinen Elektro-, Dark Wave und Ü30-Parties muss schließen. Die schöne Location - und jetzt kommt die gute Nachricht - verlieren wir allerdings nicht.

Der Hinterhof des Alten Zollamts wird weiterhin bespielt, von der Kulturinsel, samt Inselgrün, Urbangardening und Nachbarschaftsarbeit. Club-Veranstaltungen wurden jetzt…

Minutes From Memory mit "Start from the beginning". Ein halber Neuanfang. Voller Hymnen, Ohrwürmern, Gänsehaut und Kanten.

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"Start from the beginning" ist die neue EP der Ludwigsburger und Stuttgarter Herrschaften um Frontfrau Marta. Sie markiert quasi einen halben Neuanfang, die erste Platte nach dem Besetzungswechsel am Bass und Schlagzeug. Das macht sich vorwiegend beim kantigeren Punkdrive und dem verstärkten Einsatz von Backing-Vocals bemerkbar.

Start from the beginning: fünf Songs = zwei Milliarden Gänsehautmomente
Wir haben es jetzt mit mehrstimmigem Geshoute und den weiterhin einschneidenden cleanen Gesangpassagen zu tun.

Die neue EP "Start from the beginning" beinhaltet fünf Songs und ungelogen zwei Milliarden Gänsehautmomente. Die Dynamik, der einzelnen Songs, allein des Openers "Witness" trifft ziemlich viele Gemütslagen und Stimmungen flüssig auf den Punkt. Songwriting der ganz Großen. Man hört einfach, dass hier über eine Dekade Erfahrung durch die einzelnen Phasern dieser Band zucken.

Nach dem schon großartigen "Life Portrait" sind nunmehr drei Jahre v…

Loose Suspense. Anklagend, zwingend. Stuttgarter Melodic Hardcore mit neuer Luft. Die neue EP "Past Mistakes".

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Loose Suspense klingen wie vier angepisste Typen von irgend 'nem eiskalten Meer. Vier Typen sind's. Ob diese angepisst sind? Wahrscheinlich schon von irgend etwas. Von einem Meer kommen sie nicht. Keiner See. Eiskalt ist es hier auch eher selten. Die vier Miesepeter kommen aus Stuttgart. Vor gut einem Jahr haben sie sich von ihrem damaligen Frontmann getrennt. Schnell wurde Ersatz gefunden.

Eine Hymne. Eine sehr deprimierende
Jörg, ehemals die Stimme von Reznik Syndrom sprang ein. Schaltete von Deutsch auf Englisch und gibt jetzt Loose Suspense neue Luft. Inhaltlich geht's um unsere kaputte Gesellschaft, und wie "wir" nie aus vergangenen Fehlern lernen. Stichwort: Homophobie, Fremdenhass etc. Dieses "Deutsch"-Sein das plötzlich wieder unsere Breiten von bunt in braun färbt, wird von Loose Suspense an den Pranger gestellt. Mit düsterem, walzenden, mal nachdenklichem modernen melodischen Hardcore. Im kürzesten Song, einer Neuauflage eines alten Werks, &q…

Phantom Winter krächzen auf „Sundown Pleasures“ von Hexen und dem großen Nichts. Noch dunkler ist nur statisches Rauschen.

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Ein kurzer Schwank aus dem Leben. Zum vergangenen New Noise-Fest sind wir hauptsächlich wegen der japanischen Band COHOL und Phantom Winter gefahren. Das New Noise hat sich in den letzten Jahren immer stärker vom Hardcore verabschiedet, was auf der einen Seite ganz gut ist, immerhin hätten eben diese beiden Bands früher nicht ins Line-Up gepasst. Auf der anderen Seite wird es aber in einer der drei Locations ganz schön gruselig, wenn eine Pop-Punk-Band nach der anderen auftritt und zwischendurch GWLT spielen dürfen. Da ist es auch kaum verwunderlich, dass bei so manchen Bands plötzlich Leute im Publikum stehen, die zu langsamen, tiefen Parts in Songs die Hände in die Höhe strecken, am fiktiven Luft-Motorrad kräftig Gas geben. Oder eben ein Bier exen, während sie ihr Gesäß wenig sexy immer wieder nach vorne drücken. Wie gesagt, ganz schön gruselig.

Besonders gut konnte man diese Moves während der Show von Phantom Winter beobachten. Da gab es dieses Mal nicht nur die Songs des Erstling…