Liebe oder nur Projektion? "Holon : Anamnesis" von The Hirsch Effekt reflektiert Zweisamkeit, einfühlsam metallisch.

The Hirsch Effekt aus Hannover. (Fotoquelle: facebook)
Ein Intro, das an die Titelmelodie des Kultfilms Twelve Monkeys erinnert (auch wenn das vielleicht nur eigene Projektion ist), und gleichzeitig auf ein thematisch und musikalisch tief verwobenes Werk einstimmt, muss erst einmal so perfekt auf Tonträger gebannt werden. Mit echten Streichern instrumentalisiert, baut es eine unmittelbare Atmosphäre auf, die sich über das gesamte Werk trägt.

"Holon : Anamnesis" ist das zweite Album der wohl experimentellen Band The Hirsch Effekt.  Die drei Musiker aus Hannover vertonen damit persönliche Gedanken zu Liebesbeziehungen, und der damit verbundenen Ungewissheit und eventuellen Selbstverleugnung. Was ist Projektion? Und was ist wirklich die Person, die ich liebe? Rede ich mir diese Liebe vielleicht nur ein? So dient hier die Musik als Werkzeug Gedankengänge und Selbstreflexion bezüglich Beziehungen zwischen zweier Menschen zu bearbeiten und emotional zu unterstützen.

Thematisch handelt das Album von dem, das sich niemand in einer vermeintlich glücklichen Beziehung wünscht. "Holon : Anamnesis" handelt in chronologischer Abfolge vom Scheitern einer Liebesbeziehung. Die drei Hannoveraner verstehen es durch dieses emotionale Rahmenkonstrukt eine musikalisch vielschichtige Achterbahnfahrt der Gefühle zu inszenieren. Instrumentalisiert wird das Ganze zuteilen mit der Unterstützung weiterer Musiker mit echten Orchester-Instrumenten, professionellen Choral-Gesängen, zusätzlich rein elektronisch erzeugten Klängen und furiosen Gitarren zwischen Math-Metal und progressivem Post-Hardcore. Musikalisch wertvoll, könnte man da glatt titeln. Doch das wäre zu einfach. Wie wichtig es sein kann, sich mit seiner Liebe über Leben und Beziehung auszusprechen, zeigt der traurige Ausgang des Albums.

So ist "Holon : Anamnesis" gesanglich und harmonisch manchmal wie die verschollene Pop-Band Echt und, dann plötzlich musikalisch so furios wie die monströsen Between The Buried And Me. Dabei erinnert die Leugnung von vermeintlichen Genre-Grenzen auch gerne mal an Coheed And Cambria, und sofort ist die nächste Referenz mit The Fall Of Troy auch noch auf der Liste. Definitiv schwer fest zu nageln. The Hirsch Effekt schaffen den Spagat aus emotional authentischen Texten und metallisch brachialen Klang-Lawinen, die instrumental anspruchsvoll verwoben und arrangiert sind.


The Hirsch Effekt - "Holon : Anamnesis"
VÖ: 31.08.2012
via: Midsummer Records / Kapitän Platte

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