Von Stehblues und frenetischem Beifall. Interpol und Abay, kürzlich im Theaterhaus in Stuttgart.

Interpol. Rot wie Blut, oder ist's doch die Liebe?
Wenn du als 28-Jähriger einer der jüngsten im Publikum bist, weißt du dass es ein anspruchsvoller Abend wird. Zwar sind Interpol nicht die älteste Band der Welt. Aber wenn du seit 17 Jahren den Post-Punk stetig wiederbelebst, hast du einerseits keine dem Mainstream gewidmete Discographie und andererseits sprichst du hauptsächlich Fans von Bands aus den 80ern an. Joy Division, The Cure et cetera. So mutete das Publikum der Show am Mittwoch im Theateraus in Stuttgart auch eher gesetzt als spröde hip an.

Klar, Interpol machen nicht die heftigste Musik. Kein Tanz-Punk. Aber die ein oder anderen Rhythmen laden durchaus zum Tanzen ein. Das sah das wohl gefüllte Theaterhaus in Stuttgart allerdings anders. Das Publikum glich die meiste Zeit Statuen. Still. Lauschend. Zunächst nahm ich an, dass das eben bei der Vorgruppe Abay der Fall sei. Doch als plötzlich die Musik verstummte: frenetischer Applaus. Auch schon bei der Vorgruppe. Aydo Abay, ehemals Gründungsmitglied der Alternative-Band Blackmail, machte mit seiner neuen Band / Solo-Truppe durchaus Laune. Auch musikalisch tanzbarer Natur. Doch das juckte das Statuen-Publikum mit Altersdurchschnitt 40 nicht.

Gleiches Bild dann bei Interpol. Ab und zu wurde mitgewippt, wenn die Musik spielte. In den Pausen: Lauthals applaudiert. Während der Musik still, regungslos zugehört. Interessant. Wenig energievoll aber interessant.

Interpol selbst hatten eine großartige Show im Aufgebot. Hits wie „Evil“, „Obstacle 1“ und „C’mere“ waren ebenso stark dargeboten wie Neuheiten vom "El Pintor"-Album, das vor gut einem Jahr erschienen ist. Große Turnereien sparte sich die Band um Paul Banks auf der Bühne. Unterstützt von Keyboard und Bass waren die New Yorker zu fünft auf der Bühne und dadurch der Sound mächtig. Lächelnd eine Zugabe spielen und winkend wieder verschwinden, hieß es nach guten 75 Minuten. Vielleicht erwartete das Publikum mehr Motivation von der Bühne. Aber Stadion-Rock-Gesten gehörten noch nie in das Repertoire dieser Band.

Eher der coollässige Stehblues, durch rotes Scheinwerferlicht perfekt in Szene gesetzt.




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