Expedition Hevy. Vier Typen. Fast 900 Kilometer. Ein Auto. Ein Festival in Süd-England. Ein Reisebericht.

Von Stuttgart nach Port Lympne mit dem Auto.
Ja, wir fahren über Essen. Warum wir das machen? Mehr dazu später. Der vordergründige Grund für die Reise ist das Hevy Fest im Süd-Osten von England. Ein zwei-einhalb-tägiges Musik-Festival. Unter den Headlinern sind Thrice, Coheed And Cambria und Judge. Sonst im Aufgebot, unter anderen The Fall Of Troy, The Dillinger Escape Plan und Protest The Hero. Genügend Gründe für uns eine Reise draus zu machen. Wie diese von Statten geht, schildere ich hier in einem wachsenden Reisebericht.

Donnerstag, 8:00.
Halbe Reisegruppe fährt in Stuttgart los. ROADTRIP!

11:30.
Wir kommen ohne Stau durch. Krass.

Mittagspause bei diesem großen Kommerzburgerladen. Die haben jetzt auch 'nen Menü mit Veggie-Bürger. Trotzdem nicht besonders gut.

14:00.
Reisegruppe ist komplett. Vom Rhein gehts zum Eurotunnel. 18:50 müssen wir dort sein.
Meet the Reisegruppe: (von rechts nach links) Jörg, Daniel, Daniel, Matthias (ich).























18:45.
Trotz überpünktlicher Ankunft am Terminal um auf den Zug durch den Eurotunnel verladen zu werden, stehen wir da. Eine knappe Stunde. In unserem übermüdeten und feierhungrigen Zustand: eine Ewigkeit. Stehen. Mit dem Auto in der Warteschlange, schlimmer als Stau. Eine hinter einem Gebüsch versteckte Anzeigetafel entschuldigt sich für den Delay, sagt aber nicht warum. Flüchtlinge sehen wir keine, die von Calais nach England machen wollen. Aber wir denken im Nachhinein, dass das etwas damit zu tun gehabt haben könnte. Als wir dann schließlich auf den Zug fahren konnten, wurde auch diese 500 Meter kurze Fahrt vom Terminal auf den wartenden Zug kurzerhand unterbrochen. Von französischer Grenzpolizei, die die Autoschlange blockierte. Warum, wissen wir nicht. Gemacht hat die Polizei nichts. Egal. Immerhin war die Aussicht aus dem Zug spitze.

Fische haben wir auch keine gesehen.
20:01.
Unter dem Meer in einem Zug zu sein ist wesentlich unspektakulärer als es sich in erster Instanz anhört.

19:30. Britische Ortszeit. Ankunft in der Vergangenheit. Es regnet und wird langsam dunkel. Außerdem müssen wir gleich ein paar Kilometer auf der falschen Straßenseite fahren.

Freitag, 1:09.
Okay wir haben zwischen dem Regen die Zelte aufgebaut. Das Fest kann los gehen. Bier fließt.

9:00.
Nach einer verregneten Nacht wachen wir im Nebel auf. Doch wenige Stunden später sollen wir das England nicht wieder erkennen. Die Sonne macht sich breit. Doch wir haben fast alles Bier weggetrunken, das wir aus Deutschland mit dabei hatten. Die Handys sind leer. Wir gehen zum Auto um den Akku dort mit Strom zu versorgen. Etwas später, und ein paar Roaming-Gebühren haben wir auch verprasst in der Zwischenzeit, finden wir einen Sainsbury's Supermarkt. Dort laden wir das Auto mit Cider und Lager-Bier und Veggie-Grillern voll. Lecker. Frühstück. Oder war das Mittagessen? Ich möchte hier erwähnen, dass dieser Text aus Notizen zusammengefriemelt wird, die unter Alkoholeinfluss entstanden sind.

Veggie-Griller.
13:00.
Das Musikprogramm geht los. Der Freitag des Hevy Fests hat schon einige Überraschungen in Petto. Grader und Youth Man stehen da ganz vorne an. Youth Man haben eine sehr beeindruckende Sängerin. Visuell. Optisch. Gesanglich. Geflasht.

16:30.
Das unter Alkohol stehende tanzfeige englische Festivalpublikum bekommt endlich den Arsch hoch und die Tanzbeine in Schwung. Hacktivist machen die Mainstage zum Bounce-Fest. Gefolgt von Touché Amoré, Protest The Hero, The Dillinger Escape Plan und Coheed And Cambria, die fast allesamt eine super Show ablieferten. Die Ausnahme ist Protest The Hero. Die waren selbst so sehr gelangweilt, dass auch die perfekte Technik in der Musik nicht half Freude aufkommen zu lassen.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Blauer Himmel über England.


















22:55.
Also ich war sehr froh, und etwas heiser nach dem Set von Coheed And Cambria. Das ganze "In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3" haben sie gespielt. Mit dem Zusatz von "Ten Speed", ihrer neuen Single "You Got Spirit, Kid" und "Welcome Home" abgerundet. Andere finden das Ein-Album-Am-Stück-Spielen-Konzept doof. Kann ich nachvollziehen. Allerdings hat mich das Teil damals so sehr geprägt, dass ich das durchaus feiern konnte. Aber wegen allgemeiner Unterfeierung gingen wir noch ins Partyzelt. Überfeiern konnte man sich dort allerdings auch nicht. Die Engländer machen um zwei Uhr dann doch meistens Sense. Vielleicht lags am Gelände. Ist doch ein Tierpark angrenzend an das Hevy Fest. Und Affe und Tiger möchten eben auch mal Nachtruhe.

Mit Nachtruhe war aber nicht viel. Lernten wir am Zeltplatz doch, dass das englische Equivalent zu "Heeeeeeeelgaaaaaa" "Alleeeeeeeeeen", "Vickyyyyyyyyyy" oder "Peniiiiiiiiiiiiis" zu sein scheint.

Zwei Zelte und ein Open Air. So waren die Stages beim Hevy Fest 2015


















Samstag, 13:00.
Nach ausgiebigem Frühstück-Mittagessen und Cider-Konsum ging Tag Nummer Zwei in die musikalische Endrunde. Nicht so viele Überraschungen wie am Vortag, aber auch ein großartiges Programm sollte uns erwarten.

Über den Tag hinweg begeisterten mich die Shows von Crooks, God Damn und Horse The Band am meisten. Bei The Get Up Kids war erstaunlich wenig los. Und Thrice öffneten mir einfach mal wieder so das Herz. Perfekte Show. Großartiges, hartes Set, dass die Band aus Orange County sich für das Hevy drauf geladen hatten. Mit "Of Dust And Nations" fingen sie an. Spielten "Firebreather", "Silhuettes", alte Hits wie "Deadbolt" und "The Artist In The Ambulance" aus Pflichtbewusstsein der Fans gegenüber - überzeugten aber vor allem mit "Beggars", "In Exile", "The Earth Will Shake" und "Anthology". Hoffen wir, dass bald neues Material dieser großartigen Band kommt. Ich persönlich bin ja seit ich 15 war, großer Fan(boy).

Die Kollegen hatten ihren Spaß die wahrscheinlich schlimmste Band der Welt ausfindig zu machen. Fort Hope. An dieser Stelle können wir gerne das Spiel, Bandnahmen-mit-dem-Wort-"Fart"-verbessert spielen. Fart Hope. Hihi. (Externer Link zur Belustigung)

Zum Hevy Fest kommen jährlich grob zwischen 4000 und 5000 Besucher.





















23:00.
Bei einem DJ-Set von Funeral For A Friend Gitarrist Kris Roberts lassen wir das Fest ausklingen. Es war ein Fest, wahrlich. Zwar waren teilweise erstaunlich wenige Leute vor den Bühnen. Und die Engländer sind ein seltsames Publikum, das nicht klatschen kann. Aber die Stimmung war durchweg angenehm, das Wetter machte uns keinen Strich durch die Rechnung. Ohne Punkt und Komma verdammt gute Zeit.

Sonntag, 12:00.
Heimreise. Mit Zwischenstopp an einem Picknick-Tisch an einem Fluss in einem Vorort von Kent. Ein Bisschen Zivil-England.

Nach dem obligatorischen Stau bei Brüssel, laden wir die hälfte der Reisegruppe in Essen und am Rhein ab. Einige Stunden über verregnete deutsche Autobahnen getingelt, und das Intermezzo ist schon wieder zu Ende. Schade eigentlich.

Montag, 1:32. Deutsche Zeit.
Zurück im Stuttgarter Myindiemind-HQ, happy.

Mehr: hevyfest.com/home/

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