Reise zum Ende der Welt mit Luftschmitt. Kommste mit? Die Koblenzer Band zeigt uns dabei warum Pop nicht oberflächlich sein muss.

Luftschmitt haben ein Faible für Fliegerbrillen. Foto: Pressefreigabe
Endlich habe ich eine Detailkarte vom Ende der Welt. Dumm, dass ich nicht der beste Kartograph bin. Wo genau dieses Ende der Welt liegt, finde ich darauf nicht heraus. Oder ist das etwa Koblenz? Denn da kommen die Urheber dieses Stücks Papier her. Dieses lag ihrem digitalen Tonträger "Reise zum Ende der Welt" bei. Die erste Veröffentlichung von Luftschmitt. Da scheint es jemand ernst mit der Kunst zu meinen. Bei der Bemusterung lag außerdem nämlich ein echter, handgeschriebener Brief auf richtigem Briefpapier bei.

Papier. Wer hat denn sowas noch. Fühlt sich gut an. Weich, und liegt leicht in der Hand. Da kann auch das Air-Tablet nicht mithalten. Wahnsinn. Warum ich das schreibe? Weiß ich nicht. Das mag an der anregenden verspielten Pop-Musik liegen, die ich jetzt schon über Tage hinweg höre. Ich konnte mir gar nicht schnell genug eine Meinung bilden, um zu merken, dass sie beim nächsten Hören gleich wieder zu revidieren war.

Pfff, ist halt Muse auf Deutsch. Dieses Luftschmitt. Oder jetzt erinnert es mich an Get Well Soon. Doch die Stimme hier nervt mich nicht. Das ist gut! Ein bisschen Editors hör ich da durch. Hey, das klingt wie Dredg mit deutschem Gesang. Jetzt kommen auf einmal harte Gitarren aus dem Nichts. Hallo, kennt ihr Blackmail? Die kommen doch auch aus der Ecke. Mann, das ist richtig gut. Kann man so ein Review schreiben? Wahrscheinlich nicht.

Wenn ich diesen Brainstorm jetzt versuche zu ordnen, die Detailkarte 7.2 Ende Der Welt zu Rate ziehe, komme ich durch die Dunkelheit bei dem Rosa Elefanten raus, und freue mich (denn die sind auf der Karte verzeichnet). Pop-Musik muss nicht oberflächlich sein. Muss im detuschen heute auch kein Rap über Indiemusik sein, um intelligent zu wirken. Kann sich auch beim New Wave, und Rock bedienen, ohne unfassbar kitschig, und Klischee zu wirken. Pop kann auch im Indie-Mainstream schwimmen, und mehr Tiefgang im Gepäck haben, als die Hits deiner letzten Studentenfete. Hier singt keiner vom wunderschönen Mädchen, das er jeden Morgen in der U-Bahn am Alex sieht. Ich glaube hier singt jemand von einem wunderschönen Tag von gestern, der morgen nicht mehr der selbe ist. Sagt das aber nicht. Verflixt. Na, ja. "Liebe deine Fehler. Aber Lass sie zurück." Sagt mir die Platte häufig. Okay. Mache ich.

Nach fast 50 Minuten Luftschmitt, drücke ich schon wieder auf Play, lasse die CD nochmals Luftholen und höre den vier Koblenzern gerne schon wieder zu. Irgendwie glaube ich jetzt, dass das Ende der Welt in meinem Kopf ist. Das kann Musik? Das kann Musik.


Luftschmitt - "Reise zum Ende der Welt"
VÖ: 25.10.2013
via: Brainstrom/Rough Trade

Mehr: Luftschmitt.de




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