Von Hirschen, Jungs mit Lasern und einem Dienstag, der gefühlt am Wochenende statt findet. The Hirsch Effekt und Laserboys. Zusammen im Juha-West in Stuttgart.

The Hirsch Effekt aus Hannover, in Stuttgart. Foto: mim
Es war ein bisschen eine komische Kombination. Am Dienstagabend im Jugendhaus-West in Stuttgart. Oben auf dem Billing: die ernsthaften Techniker The Hirsch Effekt aus dem mittleren Norden der Republik, aus Hannover. Deren Themen rangeieren zwischen Herzschmerz, Verlust und Ausweglosigkeit. Als erste Band am Abend, sprich als Support, eine Spaßtruppe aus der hiesigen Landeshauptstadt. Mit dabei Songs vom Saufen, Fußball, Wochenende, dem Weltuntergang und Bratwurst. Die Laserboys.


Go, Go Laserboys.
In den Anfängen ein Nebenprojekt aus dem Dunstkreis von An Early Cascade (wir denken da an Fear The Skyline et al), an dem besagten Abend im Jugendhaus im Stuttgarter Westen ein Party-Monster. Schon als die Laserboys auf die Bühne wanderten, in ihren seltsamen Ganzkörperkondomen, tummelten sich gut über hundert Gäste in den Räumen an der Bebelstraße. So wurde es schnell kuschelig warm auf dem Parkett.

Flo, der Veranstalter vom JuHa-West, sagte mir nach der Show, dass er gleich an Laserboys dachte, nachdem er The Hirsch Effekt gebucht hatte. Ein lokaler Support sollte her, meinte er. Und wer passt da besser als die immer unpassenden Laserboys? "Außerdem spielen die eh nur alle hundert Jahre in Stuttgart", meinte er. Die Band aus Stuttgart war sich selbst nicht sicher ob das so eine gute Idee gewesen war, die Florian Eymer da gehabt hatte. Flo meinte allerdings "so unähnlich sind die sich garnicht" - The Hirsch Effekt und Laserboys. "Beide machen irgendwie kranke, kaputte Musik", fügte er an "halt nur jeweils anders". Ich musste zustimmen. Bestechende Logik. Gut, haben beide Bands ähnliche Elemente. Bisschen Metal. Bisschen Hardcore, Bisschen Samples. Die einen Schmücken das mit hochwertig produzierten Streichern aus, die anderen mit ...Schranz?

Am Ende des Abends zählte Flo gut 200 zahlende Gäste. Für einen Dienstag eine rekordverdächtige Bilanz.

The Hirsch Effekt aus Hannover, die unübersehbar am Abend hier spielen würden (überall standen Banner und ein riesiges Backdrop zierte die Bühne (Rockstar-Like!)) kamen dann ja auch noch dran. 90 Minuten waren abgemacht. Am Ende des Abends haben sie gut 110 Minuten gespielt. Klar, spielst du als so eine Prog-Metal-Tech-Core-Band (oder was auch immer) zwei Zugaben, machst du mit zwei Songs schon mal easy 15 Minuten Strecke. Technisch, sowie vom Stamina der drei Recken vom Hohen Ufer aus Niedersachsen her, war das eine beeindruckende Darbietung.

Unter dem Strich ein wahnsinnig guter Dienstagabend, der sich verdammt nochmal einfach anfühlte wie Wochenende. Während der Show von Laserboys kam außerdem Mathias Bloech von Heisskalt für ein kurzes Featuring vorbei. Was willste mehr?

Und wann bitte schön trägst du nach einer Show so unendlich viele Ohrwürmer mit dir nach Hause, die obendrein nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können.

"Und wenn mein Kopf dann aufschlägt / vielleicht bleibt dann noch Zeit
irgendwie in der Nacht zu baden. / Vielleicht reinigt ja das dann mich von
meiner Angst, uns ins Auge zu sehen." 

Versus

"Geld regiert die Welt / ist mir egal / gib mir den Fußball her! / Ich schieß den Ball ins Tor / Mit einem Fallrückzieher!"

 Fotos.

Musikvideos:


Beliebte Posts aus diesem Blog

Cartograverse. Spoken-Word Poetry mit deepen Lo-Fi-Tunes. Pärchen Wolfmumma und Jamie Nodoubt mit dunklen Gedanken für hellere Zeiten. //EP-Review.

Wir stellen vor: Devin Heat mit der Video-Premiere zu "Teenage Grief". Zum Jahresstart neue traurig-schöne Songwriter-Musik zwischen Indie und Folk.

Inspired by Illusions mit "Initio". Neue Post-Rock-Musik aus Ludwigsburg. Vielleicht auch aus dem Weltall. //Album-Rezension.