Laut, brachial und unglaublich schön anzusehen. Live bei Architects.

Architects. Foto: Janik Fregin

Architects. Laut, unglaublich schön anzusehn, und mit einer Liebe zu Musik und Publikum.

Vor dem Schlachthof in Wiesbaden hat sich gestern eine über 100 Meter lange Schlange aus Menschen, bekleidet mit Mesh Shorts und Skinny Jeans, Bandshirt und Snapback gebildet. Alle wollen zum kurz vor knapp ausverkauften Konzert. Als erstes muss man mal ein großes Lob an den Schlachthof aussprechen. Selten so eine so gut organisierte Show gesehen. Mit extra aufgebauten Eingangsschleusen vor dem eigentlichen Halleneingang und zusätzlich Personal zum Abtasten und Tickets kontrollieren war man innerhalb von 3 Minuten drin. Ausserdem war Eingang und Ausgang klar getrennt, so kann man nach einem Auftritt ungestresst kurz raus, frische Luft schnappen und wieder rein, ohne den Anfang der nächsten Band zu verpassen.

Eröffnet haben den Abend Fit For An Autopsy. Die Jungs Männer von FFAA spielen Deathcore und sehen auch so aus. Entweder lange Haare, oder gar keine, viele Tattoos und grimmige Gesichter. Wenn man die Lieder der Band nicht gut kennt hört sich jedes irgendwie gleich an. Aber das ist ja mittlerweile normal im Core. Mit ihrem 25 Minuten Set heizen sie den Konzertbesuchern schon ordentlich ein und machen Lust auf mehr harte Musik.

Härte liegt bei While She Sleeps aber nicht im Vordergrund. Hier ist einfach nur gute Laune angesagt, Junge und Alte die Songtexte mitschreien und hunderten von Crowdsurfern. Auf der Bühne sieht es nicht anders aus. Die Jungs haben einfach Bock zu spielen. Hier werden Gitarren in die Luft geworfen und Luftsprünge gemacht. Bei WSS merkt man live, dass die 5 Briten sich schon ewig kennen und einfach nur gute Freunde sind und nebenbei zusammen eine Band großgezogen haben. Das neue Album darf live natürlich nicht fehlen, ein Meisterwerk des metallischen Hardcores. Wobei man bei der Show den Eindruck bekommt, dass viele eingefleischte Fans der Gruppe das neue Album nicht so sehr wertschätzen. Dafür haben die dann alte Hits wie Four Walls und Seven Hills bekommen.


Mit brachialem Geschrei von Nihilist kommen Architects auf die Bühne.
Die bisher größte Headliner Show in Deutschland der Briten. Dafür sind sie dankbar und zeigen das auch immer wieder. Die Abwechslung zwischen herzerwärmenden Reden und nackenhaare-aufstellende Screams von Frontmann Sam Carter macht den Auftritt dynamisch. Mit Rauchfontänen wird die unglaublich schöne Lichtshow betont. Kleine Störungen wie ein Fiepsen übers PA-System beherrschen die Musiker wie Profis und brechen einen Song in der Mitte ab und fangen neu an nachdem das Störgeräusch weg war. Zur Setlist kann man nicht viel neues sagen, da Architects mittlerweile immer die gleichen sieben, acht Songs der letzten beiden Alben spielt. Ab und zu ist dann was von Daybreaker dabei. Ziemlich schade, weil gerade auch die älteren Alben wie Hollow Crown und The Here and Now genau so viel Potenzial für Auftritte haben und ab und an technisch interessanter sind als die neuen Platten. Trotzdem sind Architects live eine Macht. Wie bei jeder Show seitdem Gitarrist, Bruder und Freund der Band, Tom Searle gestorben ist, wird ihm der Auftritt und das letzte Lied Gone With The Wind gewidmet. Da er das Mastermind hinter jedem Song, jedem Riff, jedem Text ist, haben Architects beschlossen neue Musik erst zu veröffentlichen wenn sie das Gefühl haben, dass das Werk Tom gerecht ist.


Wer die Tour noch erwischen will muss sich ranhalten.

14.8. Feldkirch - Poolbar Festival
17.8. Dinkelbühl - Summer Breeze
19.8. Hamburg - Elbriot







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