Rope: Album und Tour in den Startlöchern. Ein Interview mit Kai Woolen-Lewis von der walisischen Band. Über das neue Album "Come Closer Now", Freundschaft und einen guten Grund sich wieder zu sehen.

Rope. Foto/Quelle: Promo / fb.com/ropebanduk //
Das neue Album ist in den Startlöchern. Am 6. Juli erscheint "Come Closer Now", von der britischen Band Rope. Mittlerweile leben die vier Briten in Brighton, Bridgend und Berlin, was das Bandleben nicht erleichtert. Wir sprechen auf digitalem Wege mit Kai Woolen-Lewis, dem Sänger und Gitarrist der Band.



mim: Wir führen das Interview auf Deutsch, da stellt sich die Frage, wie kommt das, dass du Deutsch sprichst? Die Band Rope kommt ja ursprünglich aus Wales, wenn ich das richtig weiß?
Kai: "Ja, das weißt du genau richtig. Wir kommen aus Wales, haben uns in Wales gegründet und das wir walisisch sind spielt für die Band eine Rolle. Aber meine Oma ist Deutsch, so habe ich mein ganzes Leben lang Deutsch gesprochen; vielleicht nicht immer so gut wie heutzutage, aber das habe ich auch auf der Schule gelernt, auf der Uni studiert und viel hier in Deutschland geübt. Ich lebe auch seit Januar in Berlin, was schon immer für mich ein Traum war."

mim: Come Closer Now“ ist das zweite Album von Rope, vorher kanntet ihr euch schon, auch über die Band Goodtime Boys. Auf facebook habe ich in der Beschreibung den Satz gefunden „a good excuse to see each other“. Ist das der eigentliche Grund warum ihr Rope macht?

Kai: "Also das ist die perfekte Beschreibung unserer Band und unseren Verhältnissen miteinander, aber keine seltsame Geschichte. Josh und Leigh sind zwei von meinen Freunden, mit denen ich schon am längsten befreundet bin, und Luke ist auch einer meiner engsten Freunde. Leigh und seine Frau haben einen Sohn und er wohnt wie Josh auch in Bridgend, Luke wohnt in Brighton und ich wohne in Berlin; deswegen ist es nicht immer so einfach, als Freunde einander zu sehen. Die Band, Probe, Shows, der ganze Kram, ist wahrscheinlich die einzige seltene Gelegenheit, die wir bekommen, miteinander Zeit zu verbringen. Wenn wir spielen oder proben, ist das nicht nur eine Probe, sondern eine Mischung aus Probe und Wiedersehenstreffen. Also wenn wir als Band zusammen sind, ist das immer eine schöne Zeit. Ich stehe voll drauf, dass uns diese Band zusammenbringt und zusammenhält."

mim: Was erwartet uns auf dem neuen Album, was ist anders als zuvor?

Kai: "Schwere Frage - um diese super einfach zu beantworten: Wir sind jetzt zu viert, mit zwei Gitarristen. Also natürlich ist das musikalisch etwas raffinierter als auf dem ersten Album. Das Album besteht aus 6 Liedern - manche sind leichter und poppiger, manche sind härter und düsterer als auf dem ersten Album. Hoffentlich wird sich auf alle Fälle die Liste der Bands mit denen wir verglichen werden etwas verbreitern. Hör's dir mal an!"

mim: Gibt es ein Thema, das sich inhaltlich durch das Album zieht, oder ist es einfach ein Kompendium der neusten Songs, die ihr zusammen  gebracht habt?

Kai: "Ehrlich gesagt, gibt's nicht wirklich ein Thema, aber ich würde behaupten, dass der Titel "Come Closer Now" die Veränderungen in der Themenwahl sehr effektiv illustriert - vielleicht ist das alles etwas persönlicher geworden? Ich ließ vor ein Paar Jahren eine Beschreibung von den Texten Joni Mitchells, wo sie als 'komplett dürchsichtlich; wie das Zellophan auf einem Zigarettenbeutel' beschrieben wurden. Das fand ich super interessant, und ich habe hier versucht ein bisschen mehr von mir selbst nach außen zu tragen als auf dem ersten Album, was man wahrscheinlich bemerkt."

mim: Du lebst in Deutschland. Was bedeutet für dich ein gut funktionierendes Europa, die EU? Wie beobachtest du was aktuell in Großbritannien passiert? Abschottung, Brexit, möglicherweise Rassismus?

Kai: "Also ich muss erstmal klar sagen: ich habe für Remain gewählt, aber ich glaube persönlich nicht so stark an die EU. Ich bin nicht fest davon überzeugt, dass diese riesigen kapitalistischen Blöcke was positives sind. Aber vor allem bin ich kein Fan von Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit, was gerade in Europa wieder zu so einem Problem geworden ist. Ich war letztes Wochenende in London, und am Trafalgar Square gab es eine riesige Demonstration von Rassisten und Rechtsextremisten, die gegen die Verhaftung eines Rechtsextremisten wegen Volksverhetzung auf die Straße gegangen sind, und es hat mich wirklich traurig gemacht. Ich glaube Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sowie auch Trumps Aufstieg in den USA, sind in diesen 'finsteren Zeiten' eine Äußerung der Unzufriedenheit mit dem Kapitalismus, und dass diese Demagogen, Rassisten und Rechtsextremisten zum großen and ganzen von der Arbeiterklasse kommen, finde ich als Linker sehr traurig."

mim: Worauf kommt es dir persönlich beim Musizieren an?

Kai: "Ich liebe Musik. Ich musiziere gern mit meinen Freunden. Will damit weiter machen. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ich irgendwann damit aufhören möchte. Vielleicht ein neues instrument lernen. Trompete würde zu mir passen, oder? Schlagzeug vielleicht?" 

mim: Wann kann man euch mit der neuen Musik sehen?

Kai: "Ende Juli/ Anfang August sind wir mit unseren schottischen Kumpels Cavalcades unterwegs. Spielen ein paar richtig coole Shows mit Loma Prieta und auch auf dem Fluff Fest. Dannach haben wir auch Pläne für Herbst."

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Rope live am 1. August in Stuttgart im Juha-West.


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