Hamburger Wärme in Stuttgart. Hundreds im Wizemann. Mit "Wilderness" im Rücken.

Eva von Hundreds. Foto: matthias_stgt/Instagram//

Eva und Philipp Milner, das Geschwisterpaar aus Hamburg, Hundreds brachten vergangenen Donnerstagabend ihre elektronische Indie-Pop-Musik in Stuttgart auf die Bühne.

Verträumt, sympathisch, authentisch. Wenn man sich auf die Musik und Eva Milners melancholische Texte konzentriert und besinnt, verschwimmt live sowie von Platte die Realität, und man blockt alles um sich herum. Dieser Sog benötigte am Donnerstag ein bisschen mehr Anlaufzeit als gewohnt.

Hundreds spielen keine simple Popmusik. Sie verlangt Raum und Zeit und Aufmerksamkeit um sich zu entfalten. Die neuen Werke vom kürzlich erschienenen Album "Wilderness" mehr denn je. Aufmerksamkeit, die bei diesem Stuttgarter Publikum zeitweise zu viel verlangt schien.


Die Support-Band tat einem besonders leid. Die Leipziger Arpen mussten gegen eine laute Tonkulisse anspielen, was den ruhigen Songs nicht besonders gut tat. Im Publikum schnatterten einige unaufmerksame Gäste unbekümmert um die Wette. Ich möchte mir hier nicht alt vorkommen, aber ein bisschen mehr Respekt den Künstlern gegenüber hätte ich mir als Konzertbesucher doch gewünscht. So sollte man Arpen definitiv auch im Auge behalten. Der Songwriter-Pop passte super ins Setting eines Hundreds-Konzerts.

Hundreds selber begeisterten mit neuen Stücken aus "Wilderness", aber auch mit den Vorgängern wie "Aftermath". Beispielsweise "Happy Virus" aus dem Debüt ist da ein immer gern gehörter Titel. Mit seinen wummernden Bässen und der spielerischen Gesangmelodie.

"Spotless", eine der aktuellen Single-Auskopplungen aus dem neuen 2016er Album brachte da ins Set ein paar farbenfrohe Klangmomente. So stellte ich am Ende des Sets fest: Hundreds spielen wunderbar dynamische Musik, emotional abwechslungsreich. Und auch dieses Stuttgarter Publikum wusste das schließlich mit kräftigem Applaus zu verabschieden. Nach achtzig Minuten Spielzeit schickte uns das Geschwisterpärchen plus Live-Percussionist, mit ihrer musikalischen Hamburger Wärme, dann zufrieden in die kalte Stuttgarter Nacht. Ein beabsichtigtes Oxymoron.

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