Stadtlichters. Erinnert an "Mutterstadt"-Hip Hop. Ist aber mehr drin. Diese Stadt mit dem Kessel hat jetzt ein neues vielversprechendes Musikprojekt geboren. Vom Fußball und Hip Hop. Wir haben die Stuttgarter im Interview.

Stadtlichtes aus Stuttgart. Foto: Promo//
Stuttgart ist vieles. Sie ist die Stadt mit dem Kessel. Sie ist schwäbisch ohne wirklich engstirnig schwäbisch zu sein. Stuttgart war schon immer eine große Nummer im deutschen Hip Hop. Und das ist sie immer noch. Da wundert einen fast nicht, dass da immer neues Wunderwerk hinzukommt. Die größten Wellen im virtuellen Stuttgart schlagen aktuell Stadtlichters mit der Ankündigung ihrer Hymne "Furchlos und treu" für den hiesigen Fußball-Verein VfB Stuttgart. Zweite Liga? Awa. Wir haben mit der Dame und den vier Herrschaften namens Stadtlichters gesprochen.




Wer sind die Stadtlichters? Stellt euch doch bitte kurz vor. Was habt ihr alle sonst so gemacht?

Pyrin: "Wir sind ein musikalisches Kollektiv, bestehend aus den Rappern Smoke T und mir, dem Sänger Loki, der Sängerin Belle und unserem DJ Sauere!. Ich habe mit Sauere! und Smoke über zehn Jahre lang Musik gemacht. Loki macht nun auch schon länger vereinzelte musikalische Projekte mit Smoke. Belle ist seit ihrer Kindheit musikalisch aktiv, hat unter anderem in einer Rockband gesungen und darüber hinaus viele eigene Visionen realisiert. Wir sind seit drei Jahren ein Paar, dadurch ist sie Teil unserer Clique geworden und hat sich fortan musikalisch beteiligt. Wir sind alle sehr unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen musikalischen Facetten, die einander, so meinen wir, wunderbar ergänzen, zudem sind wir eng miteinander befreundet. Da ständig neue Projekte in neuen Konstellationen entstanden sind, lag es irgendwann nahe, sie unter einem Namen zusammenzufassen."

Belle: "Im Vordergrund stehen also wir fünf Stadtlichters. Wir könnten aber nicht leuchten ohne unsere Produzenten (Bromm, Frieder Boln, Hyde, Mafegi, Adventureland und Heitech) die im Wechsel unsere Beats bauen. Heitech aus Hamburg baut nicht nur, sondern mischt und mastert auch. Wahnsinnig dankbar sind wir zudem der Agentur Desertship, die diese wundervollen Filme für uns dreht. Und natürlich allen Menschen, die unsere Musik feiern."


Warum Stuttgart? Warum der VfB? Ist das nur Heimat für euch oder auch ein bisschen mehr?

Smoke T: "Stuttgart ist für mich meine Heimat. Nicht nur wegen des Wohnsitzes im Westen, sondern auch wegen der zahlreichen Geschichten, die ich damit verbinde. Und natürlich wegen der tollen Menschen, die ich hier getroffen habe. Stuttgart ist stolz, hält zusammen und hat sehr viele schicke Ecken."

"Stuttgart war für mich schon immer „die Stadt“


Pyrin: "Ich sehe in Stuttgart auch meine Heimat, meinen sozialen Ankerpunkt. Vor allem mag ich die kulturelle Vielfalt, das viele Grün, die Bars und die ausgeprägte alternative Szene. Und die Bars."

Belle: "Aus beruflichen Gründen habe ich drei-einhalb Jahre lang in Karlsruhe gelebt. In dieser Zeit habe ich gelernt, was das Wort „Heimat“ bedeutet. Ich habe Stuttgart sehr vermisst und jede Gelegenheit wahrgenommen, zurückzukommen. Stuttgart ist bunt, laut, dreckig und hat viele verschiedene Gesichter. Ich habe immer das Gefühl, dass exakt hier das Leben stattfindet."

Sauere!: "Stuttgart war für mich schon immer „die Stadt“. Wir sind alle in kleinen Städten oder Dörfern aufgewachsen und wenn man davon gesprochen hat, in die Stadt zu gehen, war immer Stuttgart gemeint. Egal ob es wegen der Kultur, Musik im speziellen, dem Einkaufen oder dem Fußball war. Ich bin seit ich 6 bin VfB Fan, seit 5 Jahren lebe ich mitten in der Stadt, seit einem Jahr leg ich mit Smoke bei jedem Heimspiel in der A-Block Lounge auf. Wenn ich von meiner Heimat rede, spreche ich über die Region rund um den Kessel. Es gibt viele schöne Plätze anderswo, aber es gibt eben nur ein Stuttgart."


Was nervt euch am meisten an Stuttgart?

Smoke T: "Ich hasse die vielen Ampeln. Ich hasse sie so richtig. Stuttgart 21 und die vielen Baustellen, die damit einhergehen, die Tatsache, wie viele kulturelle Einrichtungen für dieses kommerzielle Projekt hopsgehen mussten. Und die Theo-Heuss."

Pyrin: "Hohe Bahnpreise. Ungünstige Vernetzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Bahnfahren in der Wasenzeit (ja, ich fahre viel mit der Bahn). Lackaffen. Und die Theo-Heuss."

Belle: "Dazu möchte ich noch etwas sagen: Ich hasse es, dass das Bahnfahren so teuer ist, obwohl Stuttgart die höchste Feinstaubbelastung in Deutschland hat! Da passt doch irgendwas nicht zusammen. Ach, und die Kehrwoche nervt."

Pyrin: "… die ja sowieso immer nur ich mache!"

Loki: "Ich kann den Stau, die Baustellen und die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht ab."

Sauere!: "Die Anstoßzeiten der zweiten Liga (aber leider selbst Schuld daran), die Mietpreise, die Bierpreise, dass es keine Spätis gibt. Sonst nicht viel, aber man geht ja auch nicht da hin, wo es einen nervt."






Welche Künstler würdet ihr als eure Peers, oder einfach größte Einflüsse nennen? Auch aus dieser Stadt?

Smoke T
: "Geprägt haben mich in dieser Stadt natürlich die Massiven Töne und Freundeskreis. Auch wenn ich manch einen meist schlechtrede, standen Stuttgarter Künstler schon immer für Trendsetting und Qualität. Auch Cro, um das jüngste Beispiel zu nennen. Meine eigene Inspiration ziehe ich fast gar nicht aus Rap. Ich höre alles Querbeet und bin der Meinung, dass es in fast jeder Musikrichtung Gutes und Mieses gibt. Um mal die Beginner zu zitieren: „Wer Hip Hop macht, aber nur Hip Hop hört, betreibt Inzest“. Aber wenn ein Künstler bzw. Rapper über einen vollständigen Werkzeugkasten verfügt, kann er jedes Haus bauen, das er will – er muss es sich nur vorstellen können."

Pyrin: "Aus Stuttgart haben mich wohl auch die Massiven und die alten FK-Sachen am meisten geprägt, aber eigentlich möchte ich mich da weder regional noch genremäßig einschränken. In meiner Jugend habe ich fast ausschließlich Amirap gehört (überwiegend Def Jux, Stones Throw, Rawkus, solche Geschichten). Mittlerweile mag ich Musik aus jedem Genre und Rap stellt nur einen kleinen Teil meines Soundtracks dar. Insgesamt kann ich sagen, dass ich experimentelle und „andersartige“ Musik am liebsten mag; Musik, die ihren eigenen Kopf hat. Was das Texten angeht, finde ich am meisten Inspiration in der Literatur, auch wenn das jetzt nerdig und prätentiös klingt."

Belle: "Sängerinnen, die mich inspirieren, stammen leider nicht aus Stuttgart. Sie heißen Lauryn Hill, Gwen Stefani, Ella Fitzgerald, Beyonce, Erykah Badu, Lana del Rey und Aaliyah. Bands die mich bis heute beeinflussen sind beispielsweise Cocorosie, Faith No More, Pink Floyd, The Bates oder Bush."

"Hohe Bahnpreise. Lackaffen und die Theo-Heuss"


Loki: "Jim Morrison und Michael Jackson haben mich in meiner Kindheit geprägt. Später waren es unter anderem Corey Taylor, Jack Black, Manson, Phil Anselmo, Nina Hagen, Ice T, Snoop Dog und die Antwoord."

Sauere!: "Stark geprägt haben mich früher auf jeden Fall die Kolchose und die Mongo Clikke, weil sie erfolgreich waren, qualitativ hochwertige Musik gemacht  und trotz allem die Hip Hop Kultur repräsentiert haben. Aber man wird ja auch älter und lernt mehr kennen und auch andere Musik zu schätzen. Trotzdem höre und liebe ich immer noch Hip Hop Musik am meisten. Nicht aus Inspirationsgründen sondern weil ich es fühle."


Was erwartet uns: jetzt kommt die Single, kommt auch ein Album?

Belle: "Am 20. Oktober veröffentlichen wir unsere VfB-Hymne „Furchtlos und Treu“ inklusive hochemotionalem Video. Weitere Veröffentlichungen sowie unser erstes Album sind in Planung."

Pyrin: "Wir haben jede Menge Songs recordet, die darauf warten, auf die Menschheit losgelassen zu werden."

Sauere!: "Mit dem Album sieht es gut aus, es müssen noch ein paar Gespräche geführt werden, einige wenige Songs fehlen noch, an anderen muss noch ein wenig gebastelt werden, aber wir arbeiten fleißig daran."

Danke!


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