Ein großes Stück Community verabschiedet sich. Bane nach der finalen Europatournee. Ein Rückblick.

Ungebändigte Energie: Bane zum letzten Mal im Juha-West in Stuttgart

Ungebändigte Energie - Ungebrochene Ideologie

Bane. Ein Wort, das in jedem Hardcore-Fan etwas berührt. Unweigerlich kommt ein Grinsen ins Gesicht. Unweigerlich denkt jeder an Community ... und die guten alten Tage. Die Tage als ein Moshpit noch so chaotisch sein konnte - aber nie jemand einen Fuß in die Kauleiste bekam, und niemandem mutwillig in den Rücken gesprungen wurde. 

Die Band, die sich allerdings erst 1995 teilweise aus den Rängen von Converge gründete, zählen wir gerne zur alten Schule, obwohl schon zur Gründungszeit DIY und Indie, sowie Punk und Hardcore im Begriff waren von der jungen neuen Generation beschlagnahmt zu werden. Von Jungs, die dann Kids wie mir den Weg zum Emo-Core bereiteten. Herrgott, machen wir uns nichts vor. 1995 war ich acht Jahre jung. Da hatte ich meine einzige Schallplatte auf Papas Teller. Michael Jackson - "Bad". Gut, es gibt schlimmere erste Platten. Ich glaube meine Eltern fanden es schön mir die größte Platte aus meinem Geburtsjahr (1987) irgendwann unter den Gabentisch zu legen. Heute ärgere ich mich, dass ich von dieser Platte nichts mehr als Erinnerungen an sie habe. Nichts desto trotz, wie hätte ich erahnen sollen, was da die Band Bane in Massachusetts gerade im Begriff war los zu treten. Jeder in meinem Alter, der was anderes erzählt ist einfach nur... seltsam. Andere Geschichte. Aber gerade mit diesem Fake-Poser-Tum, das so langsam in die für mich damals unbekannte Hardcore-Szene Einzug fand, wollten Bane nichts zu tun haben.

Bis heute nicht. 20 Jahre nach Bandgründung. Weshalb ich mit 14 bis 18 Jahren (anno 2001 bis 2005) trotzdem immer wieder über Bane stolperte und an ihnen hängen blieb, war vielmehr der offene Horizont der Band. Ich war damals fest im Griff der Post-90er-Emo-Welle. Bane entsprachen vom Sound her nicht annähernd meinen weinerlichen Vorstellungen. Doch trotzdem war es die einzige reine Hardcore-Band, die ich schon damals hörte.

Was daran liegt, dass Bane nie eine reine Hardcore-Band war. Musikalisch war das nie so engmaschig, wie bei Genre-Urvätern. Ihre große erste US-Tour spielten Bane mit Saves The Day. Gefolgt von einer Tour mit Death By Stereo. Ich lese das gerade alles im Internet nach, und finde das beeindruckend. Weil es so viel erklärt, auch über meine musikalische Sozialisierung mit der Band aus Massachusetts. Ehrlich gesagt wurde mein Interesse an Bane so richtig erst durch das Nebenprojekt von Backing-Sänger und Gitarrist Zach Jordan geweckt. Silent Drive. Die brachten 2004 ihr einziges Album raus. Und gerade weil dann nichts mehr kam, forschte ich wieder nach, wo denn diese Stimme herkam. Ich landete bei Banes "Swan Song". Bis heute einer meiner liebsten Songs, der jemals Resonanz in meinen Ohren fand.

Die Echtheit von Songs wie "Swan Song", der schon damals das Ende von Bane hätte markieren sollen, wie Frontmann Aaron Bedard auch in Stuttgart am 10 Dezember 2015 erzählte, machte es für mich dann aus wieder an Bane dran zu bleiben. Man verspürt diesen echten, wirklichen Willen gemeinsam etwas erreichen zu wollen und zu können. Mit einer Community aus Menschen, die nichts sehnlicher wollen als in Frieden zusammen zu leben, und sich gegenseitig zu respektieren.

Diese ungebrochene Ideologie mündet durch das dadurch entstehende Wir-Gefühl in unendlicher Live-Energie.

Die Band und die eigene Geschichte

Weshalb ich hier so einen Aufsatz mit persönlicher Note zu einer Band schreibe, die nichts mit meinem direkten Wirkungskreis zu tun hat? Ich glaube es liegt daran, dass ich der festen Überzeugung bin, dass die erste Intention von Musik es schon immer gewesen ist, Menschen zusammen zu bringen. Genau das verkörpert Bane. Am besagten 10. Dezember, dem vermeintlich letzten Konzert von Bane in Stuttgart, hatte ich deshalb auch das Gefühl, dass jeder im ausverkauften Jugendhaus-West eine Geschichte mit dieser Band verbindet. 20 Jahre sind eine lange Zeit, in der "It All Comes Down to This", "Give Blood", "The Note" und schließlich "Don't Wait Up" uns Mid-Zwanziger und -Dreißiger in einer prägenden Phase begleitet haben.

Die ungeheuchelte Wertschätzung der Begeisterung der eigenen Fans, der Community, die Frontmann Aaron Bedard den Abend über, wahrscheinlich wie bei Jedem Gig der letzten zehn Jahre, seinen Zuhörern entgegen brachte, macht es aus, dass ich dieser Band jetzt tatsächlich etwas nachtrauere. Aber nur mit lachenden Augen.

Ich werde nicht darauf warten, dass sie wieder kommen. Falls das geschieht stehe ich am ersten Tag auf der Matte. Und habe in der Zwischenzeit zumindest das letzte, großartige Album "Don't Wait Up" in Fleisch und Blut übergehen lassen.

44 Fotos von der Abschiedsshow in Stuttgart.
Mehr: banecentral

Fans aus Budapest haben zum Abschied selbst eine kleine Doku produziert. Die könnt ihr hier sehen.

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