CD-Review: THURSDAY / ENVY Split-EP

Zwei Welten krachen auf einander. Envy aus Tokio, Japan und Thursday aus New Jersey, USA. Beide vereint auf einer Vinyl mit CD-Beilage. So verschieden die Herkünfte der Bands auch sein mögen, musikalisch verbindet beide eine experimentelle und emotionale Spielart von Hardcore, Emocore oder Screamo. Beide Bands setzen auf atmosphärische Klänge die häufig von brachialen Klangwänden zersetzt werden. Thursdays Geoff Rickly geht dabei mit seiner Stimme ein wenig weinerlicher, aber auch melodiöser zu Werke als sein japanischer Gegenpart Tetsuya Fukagawa.
Hat man die Platte aufgelegt, oder eben den Silberling eingelegt, legt Thursday gleich wie der bildlich auf dem Cover dargestellte Wirbelwind los, und zerreist sämtliche Formen von Ruhe, die sich möglicherweise zuvor im Zimmer des geneigten Hörers versammelt hatten. "As he climbed the dark mountain" zeigt Thursday in gewohnt aggressionsgeladener Verzweiflung. Man wird sofort von den tosenden Gitarrenriffs gefesselt und befindet sich mitten im Auge des Sturms. Bei dem darauf folgenden "In silence" schlägt die Platte dann die überraschende sehr atmosphärische Richtung ein. Wenn von vier Thursday Songs zwei rein instrumental sind, könnte man meinen, man wäre verarscht worden. Doch wie die Jungs aus New Jersey auf A City By The Light Divided, ihrem bisher letzten kompletten Album schon zeigten, verstehen sie sich sehr gut darauf Emotionen in ihre Musik zu packen. So sind "In Silence" und "Appeared and was gone" als vollwertige Lieder zu sehen. Auch wenn Rickly dabei wohl mal eine Auszeit nehmen durfte, sind das zwei der bemerkenswertesten Stücke, die von der Band bis Dato abgeliefert wurden. Der dritte Song auf der Platte "An absurd and unrealistic dream of peace" ist modernes Thursday in Perfektion. So wunderschön geben sich hier Harmonie und Verzweiflung die Hand.
Nachdem man von Thursday schon hin und her gerissen wurde legt Envy noch eine Schippe an Härte oben drauf. Zunächst leitet sich der zweite teil der Split-EP zwar ruhig und gemächlich blubbernd ein, wird aber in "An umbrella fallen into fiction" von den japanischen Vocals brachail aus dem Klanguniversum gerissen. So wird man erneut bei den Ohren gepackt, und die Platte wird bei keiner Gelegnheit langweilig oder stumpf. Die zwei weiteren Titel von Envy; "Isolation of a light source" und "Pure birth and loneliness" runden das Machwerk zusätzlich ab. Facettenreich und tiefschirfend ist das, was die beiden Post Hardcore Ikonen in ihrem ersten gemeinsamen Projekt abliefern. Man möchte das Abspielgerät gar nicht mehr abschalten.

Titelliste:
- Thursday:
01: As he climbed the dark mountain
02: In silence
03: An absurd and unrealistic dream of peace
04: Appeared and was gone
- Envy
05: An umbrella fallen into fiction
06: Isolation of a light source
07: Pure birth and loneliness


Info: Im Frühjahr 2009 wird vorraussichtlich das fünfte Studioalbum von Thursday veröffentlicht.

Außerdem, hier das Video zu In silence von Thursday

Beliebte Posts aus diesem Blog

Neue Hardcore-Band aus Stuttgart. Piranoid aus Mitgliedern der Bands Dead Wrong, Loose Suspense und Reznik Syndrom. Debüt-Album: "Verirrte Projektionen". //Quasi-Album-Rezension.

Es passieren wieder schöne Dinge. Ich fasse mal zusammen worauf wir uns freuen. Live-Gig- und Konzert-Pläne für die kommenden Monate. Stuttgart und Umgebung. //die stadt ohne bling bling

"Teatro d'ira - Vol. I" von Måneskin. Oder warum ich irgendwie froh bin den Eurovision Song Contest angeschaut zu haben. Oder wann hätte ich bitte italienischsprachigen Alternative-Rock gehört? //Album-Rezension.