While She Sleeps - "Sleeps Society". Die Pop-Metalcore-Crossover-Formel sitzt. Zündet. Verliert sich dann ein wenig über die Albumlänge. //Album-Rezension.

 

While She Sleeps - "Sleeps Society"
VÖ: 16.4.2021
via: Spinefarm (Universal Music)
While She Sleeps aus Sheffield haben sich in den letzten zehn Jahren zu einer Konstante der Metalcore-Szene gemausert. Die Engländer hatten mit ihrem Debüt "The North Stands for Nothing" 2011 den Grundstein dafür gelegt, was jetzt einen eigenen Fanclub hat und weltweit funktioniert. Moderner Metalcore, den man in den 90ern sicherlich Crossover genannt hätte. ("Systematic" kann schon mal an Static X erinnern). Ich muss es nicht sagen, Nu Metal ist zurück. In jeder aktuellen Metalcore-Veröffentlichung scheint eine Zeit von vor 20 bis 30 Jahren wieder aufzuleben. Das ist gewiss nichts Schlechtes. Es passt vor allem wunderbar in das breit aufgestellte Sound-Vehikel von While She Sleeps. Ja da passt auch das Pop-Punk-Featuring von Sum 41s Deryck Whibley perfekt ins Gerüst. Höhepunkte hat das neue 2021er Album vor allem wenns theatralisch, gänsehautstrapazierend wird.  Sprich: "Nervous" mit dem fantastischen Gast Simon Neil von der schottischen Überband Biffy Clyro. Er singt drei Silben - mein Körper reagiert mit Klos im Hals und einem kalten Schauer im Nacken. Eine traumhafte Kooperation. "Sleeps Society" ist der dritte Wurf in einer Reihe von überaus guten Alben, die die britische Band gestemmt hat. Die Vorgänger "You Are We" und "So What?" hatten nur den Vorteil, dass sie über die Albumlänge durchweg mitreißen konnten. Das aktuelle Album bricht im vierten Viertel ein wenig ein. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Lieder schlecht würden, das liegt eigentlich nur an der Dramaturgie, die nicht mehr stimmt. Zu oft werde ich beim Hören aus einem Modus in den nächsten gewuchtet. Normalerweise liebe ich so Abwechslung, in diesem Fall haben mich die ständigen Brüche zwischen, A capella ähnlichem Gesinge, elektronischem Störgeräusch, Geballer und Gehymne nur noch fragend zurück gelassen. Dabei kommt ganz zum Schluss (vor dem überflüssigen Outro) einer der besten Songs des Albums. "Call of The Void" ist ganz groß. Nur irgendwie an dieser Position, nach dem aufbruchartigen "Sleeps Society"-Titel-Track, verschenkt. Schließlich ist Album sechs von While She Sleeps immer noch durchaus empfehlenswert und Fans kommen auf ihre Kosten. Sie lasen eben: Meckern auf hohem Niveau. Ich möchte gerne im Guten enden und hervorheben, dass mich die Thematik des Albums durchaus freut. Es geht inhaltlich viel um Problembehandlung seelischer Natur. Self Help. Self Care. Etc. Davon kann man nie genug sprechen.

7/10 Punkte

Für Freunde von: Being As An Ocean, Architects, Enter Shikari

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