Architects - "For Those That Wish To Exist". Ein Neuanfang mit einer für diese Band sehr untypischen Zutat. //Album-Review.

 

Architects - "For Those That Wish To Exist"
VÖ: 26.2.2021
via: Epitaph Records
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Architects. Die Band aus Brighton bedarf eigentlich keiner Vorstellung mehr. Bestimmt hat sie sich mittlerweile aus dem Schatten anderer britischer Metalcore-Ikonen gespielt, über Alben hinweg zig nachkommende Bands mit ähnlichem Sound herangezogen, beeinflusst, eine Metalcore-Generation nahezu geprägt. Für mich persönlich war die Band an sich immer interessant, auch vor allem wegen ihrer tragischen Geschichte, dem Tod eines Bandmitglieds, der musikalischen Verarbeitung dessen und dem ungebrochenen Geist und Willen weiterzumachen. All das beiseite haben mich Architects die letzten vier bis fünf Alben allerdings musikalisch nicht mehr richtig gekriegt. Ultraprofessionell wurde da eine Formel über Jahre abgefeiert. Für den jungen Musiknachwuchs war das der Inbegriff von Musik, für mich bedeutete das Langeweile. Vom technischen Math-Metalcore des Debüts "Nightmares" von 2006 war logischerweise schon lange nichts mehr übrig. Was nicht tragisch war.  Nach dem Sängerwechsel kam spätestens beim dritten Album die Pop-Metalcore-Meisterschaft im Schaffen dieser britischen Band zum Vorschein. Ab "Hollow Crown" hatte jedes Folgealbum allerdings einen schweren Stand. Wie sollten diese Fußstapfen gefüllt werden? Da waren alle Zutaten perfekt. Brutalität, politische Aktualität und Songwriting. Für mich folgte daraufhin, wie angedeutet nur noch Monotonie. Bis jetzt. Im zweiten Pandemie-Jahr bringen Architects ihr "For Those That Wish To Exist"-Album raus. Ein Album das eine neue Zutat mit sich bringt. Optimismus. Musikalisch bewirkt das, dass Sänger Sam Carter seine cleane Gesangstimme ungewöhnlich häufig verwendet und fast schon Pop-Rock-Hymnen entstehen. Zum Glück ist da immer noch diese Kante, die mehr Post Hardcore ist, als klassischer Metalcore. Was das Ganze so spannend macht: in beide Richtungen werden die Regler verschoben: tiefer in ruhige Elektro-Pop-Elemente, und höher in rare brutale, mehrstimmige Metalcore-Ausbrüche. Etwas mehr Kreativität hätte ich mir bei den Gastauftritten gewünscht, zwar sind die an sich genial. Simon Neil von Biffy Clyro singt über die härteste Stelle auf dem Album, Mike Kerr von Royal Blood steuert seinen Teil zum zynischen Höhepunkt des Albums bei, und Winston McCall von Parkway Drive ist endlich malwieder auf einem guten Metalcore-Song vertreten. Allerdings sind die Platzierungen der Gast-Gesänge in jedem der drei Songs recht vorhersehbar immer irgendwann nach zweiten Strophe. Das hätte man im Songwriting auch ein bisschen durchmischter machen können. Aber das ist sicherlich Meckern auf hohem Niveau. Denn viele der Songs auf dieser Platte sind die Besten, die dieses Pop-Metalcore-Genre die letzten Jahre hervorgebracht hat. Ganz oben: "Discourse is Dead", "Libertine", welche inhaltlich den Nagel auf den Kopf treffen und "Goliath" mit Biffy Clyros Simon Neil zu Gast.

9/10 Punkte

Für Freunde von: While She Sleeps, Being As An Ocean, Bring Me The Horizon, Mavis, Devil Sold His Soul






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